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Same Day Delivery? Same Day Service!

verfasst von Martin Gross-Albenhausen am 14.3.2013

Es sind beeindruckende Erfolge, die unser Preferred Business Partner tiramizoo mit seinem Konzept der Same Day Delivery erzielt. Erfolge sowohl in der Nutzung dieser Premium-Zustellart durch die Kunden, aber auch Erfolge in der Bereitschaft (oder soll ich sagen: Begierde) großer stationärer Händler, tiramizoo als Service für die Kunden anzubieten.

But wait - there‘s more!

In meinem letzten Post habe ich kritisch angemerkt, dass ein Service-Vorteil wie Same Day Delivery letztlich Kunden aus dem Laden ziehen könnte, die zuvor dort eingekauft hätten. IKEA mit seinen in Deutschland sehr teuren Lieferkosten verzichtet auf solche Angebote - vielleicht genau aus dem Grund, dass der Laufkunde neben seinem primären Kaufziel so wunderbar viele hochmargige Produkte aus der Markthalle mitnimmt.

Wenn also Same Day Delivery ein zweischneidiges Schwert ist, dann ist das PRINZIP dahinter das eigentlich Spannende für den Einzelhandel. Es ist der über eine Plattform vermittelte Service. Muss das immer ein Logistik-Service sein?

Beispiel Mode: Könnte nicht gerade ein Asset des stationären Handels sein, dass er die Schneiderleistung gleich mit verkaufen kann? Derzeit arbeiten die Händler meist mit einem Schneider zusammen, so dass der Kunde in der Regel drei Tage warten muss, bis er das Produkt tatsächlich in den Händen hält.

Das ist eine klassische Engpass-Situation, bei der gerade das Internet vielleicht Abhilfe schafft. Denn jeder Baustein für den Same Day Service ist schon vorhanden:

  • Plattformen (auch mit Bietmechaniken) sind Standard.
  • Es gibt genug Schneidereien in jeder Mittelstadt.
  • Der Händler erbringt die wichtige Vorleistung: Abgesteckt wird vom Verkäufer im Laden.

Ein Schneider oder eben auch mehrere Schneider könnten auf den Auftrag bieten; die Bietmechanik würde dann nach Qualitäts-, Nähe- und Kostengesichtspunkten den Zuschlag erteilen. Bleibt einzig die Logistik zum lokalen Schneider (deshalb die Optimierung auch nach regionalen Kriterien). Der Kunde könnte innerhalb weniger Stunden die Leistung erhalten.

„Seid Ihr verrückt, jetzt Ideen für den stationären Handel zu entwickeln?“

Wir beim bvh entwickeln Ideen für den Interaktiven Handel. Wenn tatsächlich die Passform ein Problem des Kunden ist - und ein Retourentreiber - dann gibt es auch für den Onlinehandel neue Möglichkeiten, stationäre Dienstleistungen zu integrieren.

Ich habe das vor einem Jahr mit mehreren Daily Deal-Anbietern diskutiert. Der Onlinehändler kennt in der Regel retourenanfällige Produkte samt den Retourengründen sehr genau. Er kennt auch die Hochretournierer in seiner Kartei, samt deren an- oder vorgegebenen Motivationen. Was wäre, wenn kontextbezogen Hochretournierern mit dem Produkt ein Coupon im Warenkorb angeboten wird, der die Anpassung beim Schneider zum Vorzugspreis auslobt?

  • Vorteil für den Händler: Mögliche Retourenreduzierung.
  • Vorteil für den Schneider: Möglicher Mehrumsatz oder Neukunde.
  • Vorteil für den Coupon-Anbieter: Neue Klientel, die tatsächlich mal etwas von dem Angebot haben könnte - da es ja „verborgene Gutscheine“ sein können.
  • Vorteil für den Kunden: Ein passendes Produkt, günstig auf den Leib geschneidert.

Das Internet ist ein Problemlöser für den Handel. Dass permanent Bedrohungs-Szenarien und Feindschaft zwischen Laden und Internet aufgebaut werden, führt zur Verweigerung bei den Verkäufern im Laden und zwangsläufig ins Aus.

Auf dem etailment Summit 2.013 geht es um die Neudefinition von Handelsprozessen durch das Internet. Wir sollten das Internet als Ökosystem verstehen, das nicht dem Einzelhandel gegenübersteht und in Form von „Multichannel“-Konzepten verwoben wird. Das Internet ist ein Medium, in dem und durch das Handeslprozesse neu gebaut werden. Es verändert die Fläche so sehr wie den klassischen Versandhandel. Print kehrt derzeit bei vielen als spannender Impulsweg zurück - aber ganz anders konzipiert, kalkuliert und kontrolliert als früher (dafür haben wir die bvh 2.013). Der Laden und der Verkäufer vor Ort können eine Bühne für Service-Verkäufe werden, die Amazon eben nicht bieten kann.

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 0
Tags: einzelhandel, filialen, same-day-delivery, tiramizoo, multichannel
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Die größte Herausforderung des Einzelhandels ist NICHT das Internet!

verfasst von Martin Groß-Albenhausen am 11.3.2013

Ich bin alles, aber kein Oliver Samwer-Fanboy. Über seinen Auftritt bei Tengelmann-Ventures hat er allerlei Kritik lesen können - bis hin zum "Heizdecken-Verkäufer" seiner wenig nachhaltigen Investments. Letzteres in einem Kommentar beim eher Samwer-freundlichen Jochen Krisch.

Trotzdem kann ich einige der kolportierten Aussagen durchaus nachvollziehen. Vergangene Woche auf der CeBIT fragte der Moderator, ob stationäre oder reine Online-Händler im Internet das Rennen machen würden. Ich habe mich (wie schon im Vorjahr) mit der Prognose aus der Deckung gewagt, dass wenigstens in den kommenden fünf Jahren noch die Internet Pure Player Marktanteile im Einzelhandel an sich reißen werden, bevor die stationären Händler massiv aufholen. Multichannel ist Marathon, kein Spurt.

Mit der Aussage, "90 Prozent aller Verkäufer sind doch total schlimm", lenkt Samwer die Aufmerksamkeit allerdings auf das eigentliche Problem des Einzelhandels. Wenn der stationäre Handel das Internet richtig betreibt, braucht er eine neue Konzeption und nichts weniger als einen modifizierten USP für die Ladenfläche.

"Ist doch einfach - Showrooming!" - Aber so einfach ist es eben nicht. Mit einem Showroom, in dem man ein viel größeres Sortiment nur noch exemplarisch abbildet, gewinnt der Handel nicht. Das funktioniert in dieser Form auch im Katalog nicht, wenn man nicht die gesamte Aktivierungsmechanik anpasst. Sonst greift die alte Regel, dass "selektives Addieren" von Sortiment erfolgreicher ist als "selektives Weglassen".

Nein, die große Herausforderung für den stationären Handel liegt nicht darin, einen Onlineshop zu haben. Es ist auch nicht nur die Reorganisation von Produktdaten, um in den Suchmaschinen zu erscheinen. Es ist auch nicht Same Day-Delivery, mit der die potentiellen Kunden am Ende noch aus den Geschäften herausgehalten werden. Sicher, taggleiche Lieferung ist ein Asset, mit dem Filialisten gegenüber Onlinehändlern punkten können. Aber auf Kosten des "Laufs" - wenn sie nicht eine andere Begehrlichkeit für den Laden erfinden.

Meine Kollegen haben hier an verschiedenen Beispielen schon beschrieben, wie traditionelle Handelsgeschäfte durch das Internet deshalb obsolet werden, weil sie dem Kunden keine bessere Leistung bieten können. Ob es nun Auto-Matten oder Kleinmöbel sind.

Ich bin überzeugt, dass das Internet Services und Prozesse ermöglicht, die der Fläche ganz neue USPs bieten. Und es ist für mich nicht ausgeschlossen, dass am Ende Internet-getriebene, neue Anbieter die besseren Einzelhändler sein werden, die auf einmal die Ladenflächen der Innenstädte füllen. Weil sie stationären Einzelhandel wirklich neu erfinden.

Mit der bvh 2.013 und dem etailment Summit 2.013 packen wir diese doppelte Herausforderung des Einzelhandels in diesem Jahr von beiden Seiten an. Im April, in Hamburg, die Praxis. Im November, in Berlin, die Prozesse. Hier die Workshops und "Classes", da die Strategie und Diskussion.

Damit Oliver Samwer nicht am Ende doch Recht behält...

 

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 0
Tags: filialen, einzelhandel, multichannel, stationärer handel, laden, samwer
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Und Onlinekunden sind doch loyaler...

verfasst von Martin Groß-Albenhausen am 22.2.2013

Der Onlinehandel hat loyaler Kunden als stationäre Anbieter, sagt die ECE. Mehr Informationen zur Studie unter: www.ece.de/de/wirueberuns/multichannelstudie/

0,59 : 0,23. Nein, das ist keine Toto-Wette. Mit diesem Verhältnis verblüffte eine der Online-Lobby so unverdächtige Instanz wie der Shoppingcenter-Betreiber ECE am Mittwoch seine Kunden. 0,23 ist die Korrelation von Verbundenheit und Kauffrequenz in den Filialen, die in Shopping-Centern liegen. 0,59 ist der vergleichbare Wert für Online-Shops. Oder, in der gemeinsamen Studie von ECE und Roland Berger kristallklar formuliert:

"Die größte Herausforderung für die traditionellen Händler stellt eine hohe emotionale Verbundenheit mit Online-Shops dar."

Wie bitte? Der Onlinekunde ist loyaler seinen Einkaufsstätten gegenüber als ein stationärer Kunde, der obendrein in den Shopping-Centern eine Vielzahl ihm vertrauter und beliebter Marken und Händler trifft?

Auf den zweiten Blick überrascht das Verhältnis nicht. Es ist ja nichts neues, dass Versandhändler über eine straffe Anstoßkette, über Katalog, Nachfass-Mailings, e-Mails, die RFM-Kritierien optimiert haben. Recency und Frequency sind genau die Hebel gewesen, die in Versender-Währung "Loyalität" ausdrücken. Und je kürzer der Letzkauf zurückliegt, je häufiger der Kunde auftaucht, um so näher liegt der nächste Kauf. Sicher, darunter fanden sich - wie in jedem Einzelhandelsgeschäft - die treuen "Dogs", die minimale Umsätze hart an der Rentabilitätsgrenze bringen. Aber eben auch wertige Kunden.

Die klassischen Versandhändler blicken auf den Onlinekunden und beklagen seine mangelnde Loyalität. Die stationären Händler blicken auf den Onlinekunden und beneiden seine Loyalität. Wie passt das zusammen?

  1. Man sollte mit dem Mythos aufräumen, dass Onlineshops nicht aus sich heraus einen treuen Kundenstamm aufbauen können. Ein treuer Kundenstamm ist die beste Basis für Profit.
  2. Wer einen Top-Job im Onlineshop leistet, dem dankt es der Kunde durch bessere SEO-Werte, bessere Brand-Searches, höhere direkte URL-Eingaben, bessere Performance von Retargeting-Kampagnen und nicht zuletzt auch bessere Response auf Push-Kampagnen via e-Mail.
  3. Onlineshops folgen in wesentlichen Aspekten eher einem Einzelhandels- als einem klassischen Versandhandels-Paradigma. Je mehr Anteile des Distanzhandelsumsatzes im Onlineshop erfolgen, um so deutlicher verändern sich die Schwerpunkte in der Kundenstamm-Entwicklung. Den klassischen Akquisitionskatalog gibt es fast nicht mehr. Die normalen Kataloge kämpfen mit sinkender Response - so sehr, dass die Disposition immer größere Probleme hat, aufgrund von Earlybird-Aussendungen die Nachfrage-Volumina gut einzuschätzen. Der Kunde und die Schlacht werden online gewonnen. Alles andere hat sich dem unterzuordnen.
  4. Die Werbemittelbetrachtung sollte entsprechend nicht mehr den Wert eines Kataloges an sich messen, sondern den "incremental lift". In Amerika wird damit ausgedrückt, welchen zusätzlichen Umsatz und/oder Deckungsbeitrag ein Katalog in einem Segment gegenüber dem "Normalfall" eines nur online gebundenen Kunden bringt.
  5. Umgekehrt kann eine Menge Online-Performance durch breitstreuendere Werbung angestoßen werden. Hier spielt dann der Onlineshop seine Vorteile gegenüber den stationären Geschäften aus: Fast unmittelbar vom Sofa aus verfügbar, mit einer gegenüber dem stationären Geschäft häufig tieferen Sortimentierung und Verfügbarkeit, eigenen emotionalen Hebeln, einem ganz eigenen "Joy of Use" - wenn man denn im Internet richtig investiert.

Ob man nun von links oder rechts, eher neidisch oder eher kritisch auf den "flüchtigen" bis"loyalen" Onlinekunden blickt: Da mehr und mehr "Customer Journeys" online beginnen, ist für stationäre wie Interaktive Händler der Online-Auftritt wenigstens die erste und oft die wichtigste Verkaufsfläche.

Der Umsatz des Shops übersteigt meist in wenigen Monaten die der besten Filialen. Die Kunden kommen vorinformiert in den Laden, suchen dort Ware, die z.T. nur im Shop verfügbar ist. Die Kunst des Verkaufspersonals auf der Ladenfläche ist daher künftig, das volle und tiefe Onlinesortiment anzubieten, auch wenn es physisch nicht präsent ist. Schulung einerseits, Incentivierung andererseits sind die wesentlichen Hebel der immer bedeutenderen Personalführung.

Das meinen wir mit "Interaktivem Handel", und dafür haben wir die bvh2.013 als Ort des Lernens aus der Praxis und den etailment Summit 2.013 als Ort der Diskussion und Strategieentwicklung konzipiert. Seien Sie dabei!

 

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 4
Tags: ece, roland berger, multichannel, rfm, customer journey, conversion
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