World Wide Web - think local!
verfasst am 31.07.2012 von Christoph Wenk-Fischer
Natürlich: Das Internet ist an sich grenzenlos. E-Commerce ist das grenzüberschreitende Geschäft par excellence und finanzkräftige Player wie die Otto Group zieht es z.B. nach Brasilien. Darüber sollte aber eines nicht vergessen werden: Online-Handel bietet auch lokal ganz hervorragende Möglichkeiten.
Wenn ich beispielsweise als eingeführter ortsansässiger Händler mit am Ort bekanntem Stationärgeschäft eine "Regalverlängerung" oder überhaupt den Weg ins Netz wagen möchte; warum sollte ich das gleich mit der Perspektive eines Deutschland weiten Service tun. Natürlich, weil ich es theoretisch dank hervorragender Dienstleister, vor allem im Logistikbereich tun kann. Aber im nationalen Wettbewerb müsste ich mich dann ja auch mit der ganzen nationalen Konkurrenz messen. Dazu hätte ich erhebliche Mittel in Suchmaschinenoptimierung und Keyword-Advertising zu stecken um im bundesweiten oder gar internationalen Wettbewerb ganz oben in der Suchliste mitzuspielen.
Andererseits zahle ich doch schon eine entsprechende Miete für mein Stationärgeschäft und habe erhebliche Personalkosten für mein hervorragendes, qualifiziertes und freundliches Personal. Ich habe mir doch bereits lokale Bekanntheit und genau dort, wo man mich kennt, einen hervorragende Ruf aufgebaut.
Hinzu kommt, dass ein nationales Geschäft wohl leicht meine derzeitigen Kapazitäten sprengt, ich mich auf ganz neue Geschäftsprozesse einstellen müsste, immer also ein erhebliches Investment gefordert wäre, um ins E-Business einzusteigen.
Da ist es doch naheliegend, eine Website aufzubauen, die ganz explizit nur den lokalen Service anbietet. Spezielle lokale Lieferdienste wie z.B. tiramizoo.com holen bestellte Ware direkt im Laden ab und können binnen ein bis zwei Stunden oder zum Fixzeitpunkt vor Ort ausliefern und abholen - auch Retouren. In meinem vorhandenen Lager oder im Laden selbst kann ich die Ware in publikumsschwächeren Phasen konfektionieren lassen und habe zudem die Möglichkeit sehr individueller, personalisierter Verpackung. Und ausbauen kann ich ja immer noch, wenn es gut läuft. Wenn das alles gut gelingt, habe ich die Möglichkeit über Social Media und Referenzen Kundenbindung zu fördern, so dass mein Stationärgeschäft wiederum davon profitiert und ich meine Kunden auch ganz real an den Point of Sale bekomme.
Natürlich: Die Idee ist überhaupt nicht neu, der Slogan "Think local!", lohnt immer wieder in Erinnerung gerufen zu werden. Es gibt schöne Beispiele für genau diesen lokalen Ansatz - vor allem aber als Plattformen. Seien es in Hamburg das Projekt Schanzenport, das mit Unterstützung durch unseren Partner Hamburg@Work realisiert wurde oder ein Start Up wie luxodo.de, das lokale Luxus- und Markenshops einbindet. So sagt dessen Gründer Mathias von Bredow im "meedia-Interview": "Das Marktplatz-Prinzip ist nicht neu, aber ich habe es bewusst auf den Luxusmarkt übertragen. Hier wird die meiste Ware auch in Zukunft über ausgewählte Multibrand Stores verkauft, da macht ein Marktplatzanbieter für deren Onlinehandel viel Sinn." Auch für Einzelanbieter gibt es bereits Beispiele - bisher aber vor allem aus dem Lebensmittelbereich.
Ich persönlich wünsche mir viel mehr Vielfalt in dieser Hinsicht.
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