20.04.2012
10:10

bvh 2.012 - ein Zwischenfazit

von Martin Gross-Albenhausen


Es gibt diesen typischen Messe-Kater. Man hat ihn, egal ob nach einer gelungenen oder einer schwachen Veranstaltung. Diesmal habe ich gleich einen doppelten Kater, denn es gab beides - im Extrem.

Eines steht fest: Die bvh 2.012 war eine erfrischend neue, erfrischend "andere" Konferenz.

  • Eine, aus deren Masterclasses und Clinics die Teilnehmer mit Kladden voller wertvollem Wissen herausgekommen sind. Eine, in der intensiv diskutiert werden konnte - und wo einige Sessions so überfüllt waren, dass die Teilnehmer sich an den Ränden drängten (und nicht nur, weil die Räume zu klein gewesen wären).

  • Phänomenal war für viele die Möglichkeit, mit erfahrenen VCs im Boardroom zu klären, wie diese arbeiten, was für sie über ein Investment entscheidet (und warum), und wo die eigenen Ideen vielleicht zu kurz greifen.

  • Wir haben auf der "Zeitgeist-Bühne" völlig auf die bekannten Arten von Vortrags-Reihen verzichtet. Kurze Impulse, danach engagierte Diskussion - das hat mir Spaß gemacht, und ich glaube, es ist der richtige Weg, um Innovation in unserer Branche möglich zu machen. Nicht nur auf das Frontend schauen, sondern auch unter die Haube, kritisch im Gespräch die Prozesse reflektieren, das ganze auf die Veränderung in der Gesellschaft spiegeln und dadurch viel besser verstehen, warum Veränderung not tut - und wieso es nicht mit einem Etikett "Multichannel" oder "Lame vs. Exciting Commerce" getan ist.

  • Ein Highlight war sicher auch die Party im Ehemaligen Hauptzollamt. Da hat das Wetter mitgespielt, die Band gerockt und das Gespräch zwischen Old und New so stattgefunden, wie bislang selten. Ein besonderer Dank hier an Hermes, die einen perfekten Rahmen geschaffen haben.

  • Ehe ich es vergesse: Der bvh-Rising Star und unser Innovationspreis der Preferred Business Partner. Mit Tradebyte hat sich ganz knapp ein Dienstleister aus dem enorm relevanten Feld der Marktplatz-Integration den Startup-Preis gesichert. Smart-Collect und Billpay waren dichtauf - wie mir Sarik Weber von Hanse Ventures sagte, sind solche haarscharfen Entscheidungen ein Gütezeichen. Beim Innovationspreis fiel auf der Zielgerade die Entscheidung zwischen advertzoom, Satzmedia und mad geniuses - auch diese drei Finalisten wusste bis zum Abend nicht, ob sie gewonnen hätten. Am Ende ging mad geniuses mit dem Konzept der "pixi* Apps" als erster durchs Ziel, weil hier notorische Schwächen nicht intern, sondern mit einem neuartigen Open Source-Ansatz samt "Test before Buying"-Konzept gelöst wurden. 

Kein Gefühl habe ich bei den Townhall Debates - als Moderator der Zeitgeist-Bühne konnte ich nicht teilnehmen. Ich hätte gerne dort mitdiskutiert, aber mein Eindruck aus der Ferne ist, dass es in Deutschland noch ein Weg ist, die in Blogs inzwischen durchaus muntere und kontroverse Meinungsbildung auch in das Ambiente eines Plenarsaals zu übertragen. Mit mehr Frequenz im Raum und mehr engagierten Meinungsmachern kann da was draus werden, aber es ist noch ein Weg.

Und was gar nicht ging: Die Ausstellung und Aussteller-Bühne. Vielleicht ist das so - eine starke Konferenz verträgt sich nicht mit einer Ausstellung. Aber da waren auch echte hausgemachte Fehler dabei: Falsche Positionierung des Caterings in den Kaffeepausen, generell zu wenig Zeit zwischen den Classes, um mal durchzuschnaufen und auch über die Mini-Messe zu schlendern, kein offener Zugang für Besucher, die nicht an der Konferenz teilnehmen. Sicher war auch der Raum an sich - so eindrucksvoll das Ambiente der Handelskammer auch war - mit seinen zwei Ebenen nicht eben förderlich.

Wenn ich eine Sternchen-Wertung nach üblicher Skala vornehme, würde ich die bvh 2.012 inhaltlich bei 4-5 und organisatorisch bei 3-4 ansiedeln. Da ich die ganze Veranstaltung weitgehend alleine gestemmt habe, bin ich damit zufrieden. Für's nächste Jahr weiß ich auch schon, wo es mit dem längeren Vorlauf besser werden wird. (Aus der Conversion-Optimierung weiß man ja, dass 4 Sterne besser konvertieren als 5 :-)).

Auf jeden Fall: Für mich haben sich die Mühe, das Adrenalin und die vielen schlaflosen Nächte gelohnt. Und im übrigen auch der kalkulatorische Verlust, den so eine Premiere immer bringt.

Herzlichen Dank allen, die es möglich gemacht haben: Unserem Hauptsponsor Hermes, den vielen Sponsoren und sicher enttäuschten Ausstellern, vor allem den Referenten und Partnern, die sich auf die innovativen Formate eingelassen haben. Das war für alle neu, und ich glaube, es hat im wesentlichen gepasst.

Wer anderer Meinung ist: Bitte hier posten, damit wir besser werden können!


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